Ich soll weg

Weg aus meiner heimeligen und behaglichen, wenn auch kleinen Wohnung, in der ich mich dennoch glücklich fühle. Platz machen soll ich, für einen Investor, für einen Makler, der mein Zuhause als bloße Rangiermasse betrachtet. Ein Mittel zum Zweck, um den Millionen von Euro auf seinem Konto noch eine weitere halbe hinzuzufügen. Nicht dass ich es ihm nicht gönnen würde. Der Mann muss schließlich auch von etwas leben. Und sei es von den Sorgen und Nöten der Bewohner der Frommestraße.

Dort wo unser kultureller Treff einst stand, prangt heute ein hässliches Loch, aufgeschüttet mit Sand. Böse Zungen munkeln, dort sollen ein gutes Dutzend alter Reifen ihren Weg ins Grab gefunden haben. Ein Parkplatz soll dort künftig den Lüneburgern Nutzen bringen. Das Konzept trägt die Handschrift des eingangs erwähnten Investors. Erst mal Platz schaffen. Erst die Menschen weg, dann die Häuser, in denen sie wohnten. An deren Stelle ein paar hässliche, hingepfuschte Neubauten aus Beton, billig verklinkert, damit es nicht so weh tut, sie zu betrachten. Straßen sind nicht zum Wohnen da, sondern zum Geld verdienen. Daran hat sich seit der Errichtung der kommerzklassizistischen Prunkbauten, in denen unsere Wohngemeinschaften derzeit noch leben dürfen, nicht geändert. Ein Stockwerk nach dem anderen wurde auf die Grundmauern der Häuser gepackt und dann noch ein weiteres. Hauptsache viel Raum für viele Mieter für viel Geld. Nun beginnen die städtebaulichen Riesentanker unter der Last ihres eigenen Gewichts langsam zu kippen. Der Untergrund ist derartigem Gewinnstreben nicht gewachsen und tut das, was auch die allermeisten Menschen tun, wenn es ums Geld geht. Er gibt nach. Weiterlesen

Fromm und Straße

Wer zum erstenmal die Frommestraße besucht, mag über die bunt zusammengewürfelte Fassade staunen, die von neogotischen Spitzbögen bis hin zu gründerzeitlicher Klassizistik reicht. Nachdem gegen Ende des 19. Jahrhunderts nur einen Steinwurf entfernt am Gralswall das Gerichtsgebäude errichtet worden war, hatten sich in der vornehm gelegenen Straße vor allem Anwälte und Richter niedergelassen. Die weißen, reich mit Stuck verzierten Fassaden, unterbrochen von blassgelben Klinkerflächen, zeugen heute noch vom Reichtum der damaligen Bewohner ohne sich optisch zu überwerfen mit den dunkelroten, klassischen Backsteinbauten direkt daneben. Komplettiert wird das malerische Bild durch den kleinen, offen gelegenen Park direkt davor.

Dann geschah, womit die einstigen Investoren nicht gerechnet hatten. Die Frommestraße begann, wie so manch andere Straße in der Stadt, sich abzusenken. Der jahrhunderte lange Abbau des unter der Stadt gelegenen Salzstocks begann auch hier seinen Tribut zu fordern. In nur vierzig Metern Tiefe beginnt er, bevor er sich in Form einer Mohrrübe nach unten hin verjüngt. Eine Quelle einerseits sowie verschiedene Schichtungen aus Anhydrit (Gipskeuper) sorgen durch ihr Zusammentreffen für Verquellungen von bis zu 60 Prozent. Die Erde bewegt sich. Langsam, aber unaufhörlich verschiebt sich der Untergrund, sehr zum Nachteil der Häuser, die darauf stehen. Es bilden sich Risse in den Wänden und sämtliche Häuser stehen mittlerweile so schief, dass alles, was rund ist und zu Boden fällt, von selbst losrollt. Die Häuser, einst in Toplage errichtet, verloren drastisch an Wert. Die Wohnraumspekulanten von damals suchten fluchtartig das Weite, suchten ihr Glück in anderen Stadtteilen. Zurück blieb eine freundlich wirkende, verwaiste Häuserzeile, der man erst bei genauem Hinsehen ihre Senkungsschäden anmerkte. Weiterlesen

Sommer in der Fromme

Ein schönes Jahr war es nicht nur für mich, hier als Anwohner der Frommestraße. Es war ein gemütliches, ein kommunikatives Jahr, während dessen sich viele Menschen näher gekommen sind. Ok, die Räumung und den Abriss konnten Stadt und Sallier sich nicht verkneifen, aber eben dies hat eine Menge Menschen fester zusammengeschweißt, als ein Friedensangebot dies jemals gekonnt hätte.

Es war ein ruhiges, jedoch kaffeereiches Jahr, in einer Straße, die ohne den Umweg über Geldvernichtungsquellen miteinander interagiert. Keine 2,80 Eu für eine Portion braunschwarz, die so lächerlich winzig ist, dass man sie dem Kellner am liebsten über die Hose kippen möchte. Dann hätte der hohe Preis sich wenigsten gelohnt. Nein, in der Fromme kann man miteinander umgehen, miteinander leben, ohne das die vernachlässigte Kaufkraft dies verbietet. Man verweigert sich dem alles beherrschenden Kaufhaus Lüneburg, indem man es vornehm ignoriert. Gute Laune für Null, das gibt es sonst so nirgends in Lüneburg. Weiterlesen

Feiern mit Stil


Frommestraßenfest 2011

Seit vielen Jahren schon findet es alljährlich statt und von Jahr zu Jahr wird es besser, das Frommestraßenfest. So auch dieses Jahr. Der Lüneburger Kiez gab sich ein Stelldichein und organisierte teils unorganisiert und dennoch treffsicher das Straßenfest im Straßenviertel.

Die rund 350 Besucher, die sich auf der Wiese im Scunthorp- Park trafen, bekamen ein deluxe Musikprogramm geboten. Von Rock, Punkrock und Jazz über Reggae bis Hip Hop reichte das gehaltvolle Line Up, für jedeN war etwas dabei. Auch Kolkhorst nebst Gitarre gab sich die Ehre und veranstaltete eine spontane Jam- Session. Dazu: Zweimal Beat-Box und ein Digde. Hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht. Weiterlesen

Nach der Räumung

Die Bagger haben das Haus niedergerisssen, die Absperrungen zeigten Wirkung.
Doch wir sind immer noch da! Gegenüber der fromme 2 im Park ist eine Zeltstadt entstanden wie Sie trotz des miesen Wetters schöner nicht sein könnte. Täglich sprießen neue Zelte aus dem Boden, jedes mit einer neuen Funktion und neuen Leuten.
Schaut vorbei und bleibt auf ein Bier oder mwn Tee.
Die Menschen lassen sich nicht beugen!
-Spendent bitte wenn ihr könne Planen, Essen und was euch noch so einfält

Workshop von Projekt Gegedruck: “Der kommende Aufstand” – Samstag im Frommepark!

am kommenden Samstag, 9. Juli 2011, läd das Projekt Gegendruck zu einem Workshop in den Frommepark ein. Die Einladung lest ihr unten.

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Einladung zum Workshop

…zu Thesen aus dem Buch “Der kommende Aufstand”.

Samstag, 9. Juli 2011 ab 15 Uhr im Fromme-Park, Frommestraße, Lüneburg

[bei Regen im Anna&Arthur, Katzenstraße, Lüneburg]

Wir möchten mit euch gemeinsam lesen, vorlesen und diskutieren.

“Es geht nicht mehr darum zu warten – auf einen Lichtblick, die
Revolution, die atomare Apokalypse oder eine soziale Bewegung. Noch zu
warten ist Wahnsinn. Die Katastrophe ist nicht das, was kommt, sondern
das, was da ist. Wir befinden uns schon jetzt in der Untergangsbewegung
einer Zivilisation. Das ist der Punkt, an dem man Partei ergreifen muss.”

—–

Projekt Gegendruck [Lüneburg]
projektgegendruck.twoday.net

Ein Besetzungstagebuch…Teil 1: Montag-Dienstag

anonym und in fortlaufenden Teilen:

hier der erste:

MONTAG 27.6.:
der erste heiße und mal wieder trockene Tag. Wie immer Hausrat früh morgens. Kaum steht die Teestube wieder einigermaßen, kommt Radio FFN, bleibt noch lange nachdem das Mikro aus ist und nimmt jede Menge Sympathie mit. Da ich die Strategiegespräche schwänze hab ich nur eigenes Programm: Rattanfüßböden verlegen auf der Terasse. Dann setzt das große Schuhe-ausziehen wieder ein. Da die Diskussion über den erheblichen Drogenfund vom vortag wieder auflebt – komme ich zu nix.
Zapata und ich köpfen um ein Haar den Informationsminister.
Die Gang – Oma hüpft fröhlich quiekend zwischen ihrem jugendlichen Liebhaber und dem Hängematten-Druiden hin und her. Dis der Weise vom Berg dazutritt, dessen Nachwuchs für den swingenden…naja E-Swing Track „Frommestraße“ verantwortlich ist ( gemeinsam mit der menschlichen Melodie).
Dann chillen alle ne Runde erwachsen, nur verhalten grinsend.
Was es zu essen gab – hab ich vergessen, aber sicher gab es was. Der Containergott und sein Rudel lassen uns nie hängen. Der scheue Künstler, dessen Töne mich immer wieder reizen, traut sich von einer ihm fremden ein Nasenreiben zu verlangen. Dieser Platz macht Menschen stark! Ich manchmal auch =)
Bin als Souffleur gefragt wie selten. L. schläft im Park unter einem Baum, als Rose anklopft und mich aus einer fruchtlosen Disko reißt, um mir von der morgendlichen Räumung zu erzählen.
Ich leite weiter und gemeinsam leiden wir. Der Infominister beschließt nochmal beim Feind vorzusprechen. Ich heize ins Internetcafé um zu posten weil unser Internet im Kino ist… MIT…. aber egal.
Am Rechner – Gel vergessen, zurück. Wieder los, gepostet und bei meiner Rückkehr haben wir das Gerücht aus 6 verschiedenen Quellen. Also sicher: morgen um 6.30 kommen sie. 2 Hundertschaften aus Hannover. Die menschliche Melodie und der reisende Barde jammen im Teezimmer und legen auf mein betteln nochmal richtig los und ich habe bis 3 Uhr Tränen der Freude in den Augen statt bittere des Abschieds. Danke Jungs!
Aber sie haben selber jede halbe Stunde inne gehalten und unisono „wow“ gemeint =)
Dann bis 6.23 in gefühlter Zeitlupe sortiert und weggetragen =( Der erste Support kommt gegen 5. Auch hier: Danke euch!
Ich sitze kaum 10 Minuten in der Liegestuhlecke, die ich im Park gegenüber eingerichtet hab und versuche etwas zu essen und wie immer Andere zu füttern, da kommt der Ruf: „Es geht los!“

DIENSTAG 28.6.:

Mehrere Mannschaftswagen halten hintereinander an den Absperrungen und aus ihnen strömen mit militärischer Präzision Einsatzkräfte. Wie 2 Perlenschnüre, im Laufschritt. Die Beine bis zu den Knien extra gepanzert, mit Helm und Schild.
Wir sind ein bunter Haufen, vielleichtz 40-50 Leute. Wenige auf dem Grundstück, die meißten auf der Straße. Eine flitzen schnell noch aufs Gelände, andere wichen zurück in den Park. Ein paar versuchen sitzend den Eingang zu blockieren, die Staatsgewalt verschafft sch Zutritt. Sie laufen einfach drüber. Ich werfe mich dazu. Trotz erschreckender Brutalität geht alles glimpflich aus, bis ich aus Entrüstung darüber, so machtlos zu sein, einem das Bein umklammere. ZACK hab ich einen dezenten Hieb in der Seite, sehr professionell.
Die Luft ist gleich wieder da, mit ihr die Wut, Die Enttäuschung, die Ohnmacht, und wir schreien. Der Ent quetscht die Kommode und wir… tbc…

Wenn Ihr uns nicht träumen lasst

lassen wir Euch nicht schlafen.

Am frühen Morgen des Dienstages waren sie da. Zweihundert Polizeibeamte vertrieben rund 17 Personen vom Gelände der Fromme 2, zäunten dieses ein und ließen drei Wachhunde zurück. Die angrenzende Garage hatte man bereits dem Erdboden gleich gemacht. Drei Monate vor den Lüneburger Kommunalwahlen, unklug, das übliche Verfahren. Schlagstöcke, Pfefferspray und ein Räumungsbefehl. Etwas mehr Originalität hätte man sich schon erhofft, beispielsweise ein Gespräch am runden Tisch. Aber welcher Sallier gibt sich schon mit kleinen Leuten ab wie den Besetzern der Fromme 2. Also immer feste druff, diesmal allerdings zum falschen Zeitpunkt und vor allem: Am falschen Ort.

Dies wird sicher ein heißer Sommer werden. Denn die Bewohner des angegriffenen Viertels haben die Kanne gestrichen voll. Eines der liebenswertesten Viertel Lüneburgs ist dem Albtraum aus Glas, Stahl und hässlichen 0815 Fassaden seit heute morgen einen Schritt näher gerückt. Aber die Menschen dort lieben ihr kleines Viertel, ihren heimeligen Kiez. Und wenn Menschen etwas lieben, dann sind sie bereit, dafür zu kämpfen. Weiterlesen