Sommer in der Fromme

Ein schönes Jahr war es nicht nur für mich, hier als Anwohner der Frommestraße. Es war ein gemütliches, ein kommunikatives Jahr, während dessen sich viele Menschen näher gekommen sind. Ok, die Räumung und den Abriss konnten Stadt und Sallier sich nicht verkneifen, aber eben dies hat eine Menge Menschen fester zusammengeschweißt, als ein Friedensangebot dies jemals gekonnt hätte.

Es war ein ruhiges, jedoch kaffeereiches Jahr, in einer Straße, die ohne den Umweg über Geldvernichtungsquellen miteinander interagiert. Keine 2,80 Eu für eine Portion braunschwarz, die so lächerlich winzig ist, dass man sie dem Kellner am liebsten über die Hose kippen möchte. Dann hätte der hohe Preis sich wenigsten gelohnt. Nein, in der Fromme kann man miteinander umgehen, miteinander leben, ohne das die vernachlässigte Kaufkraft dies verbietet. Man verweigert sich dem alles beherrschenden Kaufhaus Lüneburg, indem man es vornehm ignoriert. Gute Laune für Null, das gibt es sonst so nirgends in Lüneburg.

Es war auch ein beschämendes Jahr. Weil Gaddafi kein Interesse daran zeigte, sein Land durch westliche Ölkonzerne rekolonialisieren zu lassen, wurden mehr als 100 000 Menschen getötet, ganze Städte dem Erdboden gleich gemacht und das gesamte Völkerrecht ad absurdung geführt. Auch ich gehöre der ‚westlichen Wertegemeinschaft‘ an, 110 deutsche Luftwaffenoffiziere waren an der Auswahl der Ziele beteiligt, die strategische Einsatzplanung erfolgte in den Kelly Barracks in Stuttgart Bad Cannstadt und die Satellitenaufnahmen wurden in Neu Strelitz ausgewertet. Autsch, jetzt hab ich mir vom ganzen Fremdschämen einen Hexenschuss geholt, dieser Schmerz, kann gerade nicht mehr weiter (danke fefe).

Geht wieder, zurück zum Jahr. Es war vor allem ein wichtiges Jahr. Es enthielt mehr als nur das Frommefest und einige nette Aktionen. Dieses Jahr hat bewirkt, falls so etwas geht, dass die Frommestraße zu einem Zentrum sozialer und freundschaftlicher Gravitation wurde. Alle, auch ich, waren überzeugt davon, dass mit dem Abriss des Hauses Nr.2 auch zugleich der Abriss der gemeinschaftlichen Beziehung vonstatten gehen würde. Das Gegenteil hat sich als stärker erwiesen. Setzt Euch an einem sonnigen und lauen Morgen auf einen der Stühle vor der Garage und ich garantiere Euch, dass es nicht länger als eine halbe Stunde dauern wird, bis Ihr in einem netten Schwätzchen verfangen seid. Es zieht die Menschen dieses Sommers immer wieder hin zu dieser kleinen, schrunzeligen Straße, in der Hoffnung, irgend einem Menschen zu begegnen, den sie mögen. Das macht diese Jahr zu einem besonderen Jahr für die Fromme und auch für mich.

Oh Mann eyh, jetzt zum Schluss bitte nicht noch ein Fazit, das kriegt Ihr auch selber hin. Aber eins möchte ich gerne noch anmerken. Es sollte unbedingt weitergehen in der Fromme. Mit Filmabenden, Kurzfilmfestivals, Straßentheater, Konzerten, dem gallischen Zeltdorf im Park, das als politisches Projekt auch im nächsten Jahr für einige Wochen hinweg initialisiert werden könnte, diesmal natürlich voll legal und mit dem Ja der Stadt versehen und gekrönt von einem gigantischen Frommefest zum Abschluss, wäre cool.

Josch

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