Öffentlichkeit und Erfahrung

Es gab viel Berichterstattung über die Räumung. Nicht so sehr das Bild der anderen über uns zählt. Worauf es ankommt, ist unsere eigene kollektive Erfahrung. Wie gesagt: Wir sind nicht weg. Wir setzen uns die nächste Zeit zusammen. Mal ist der Untergrund bröselig, dann wird er wieder fest. Schauen wir zusammen, was anliegt.

Vielen Dank an dieser Stelle für die Soli-Erklärungen der Arbeiterinnen und Arbeiter von Neupack in Hamburg, die gerade streiken. Auch sie können sich keine Mieten von 10 Euro pro Quadratmeter leisten – ebenso wenig wie die Securitys, die jetzt gerade für einen Stundenlohn von wahrscheinlich um die 7 Euro die Frommestrasse 4 bewachen.

Hier ein Bericht von Graswurzel.tv zur Räumung gestern:

http://www.graswurzel.tv/p225.html

Ausblick und Rückblick

Vor den Häusern stehen nun Securitys mit Schlagstöcken.

Dank an alle, die heute und in den letzten Wochen dabei waren und uns hier unterstützt haben. Besonderen Dank an die, die gerade frisch geräumt wurden in ihrer Stadt und uns hier besuchten. Dank auch an die Leute, die die ganzen Konflikte hier ausgehalten und trotzdem weitergemacht haben. So sieht Solidarität aus. In der nächsten Zeit wird hier eine Einordnung der letzten Tage und Wochen zu finden sein – dazu müssen wir uns alle aber nochmal zusammensetzen. Deshalb  wirds heute abend oder morgen nix mehr. Heute diskutieren wir auch nicht mehr übers sogenannte GG. (Entschuldigt die kleine Panne vorhin).

Wärmebilder und Dachaussicht

Die Polizei geht jetzt mit Wärmebildkameras durch das Haus und guckt noch einmal ganz genau. Auch auf dem Dach haben sie niemand mehr gefunden…

Eine von uns sitzt im Moment noch in der Polizeiinspektion Auf der Hude fest – Leute sind dort und freuen sich, wenn noch mehr kommen (14:28 Uhr). (…ca. eine Stunde später ist sie wieder frei).

Es gibt verschiedene Einschätzungen darüber, wie der Tag für uns gelaufen ist. Auch vier, fünf oder sechs Stunden standgehaltene Räumung hinterlassen im Moment ein schales Gefühl: Das Haus ist weg – auch, wenn es noch ein paar Tage steht.

Spielfeld war heute in erster Linie wie gewohnt „Haus“ und „Platz vor dem Haus“. Etwas anderes haben wir jedenfalls bis jetzt nicht gehört. Vielleicht wird sich daran das nächste Mal oder in der nächsten Zeit etwas ändern.

Die Bewohnerinnen haben den Räumungsbescheid vor gut sechs Wochen erhalten. Von manchen stehen noch Möbel im Haus, ganze Küchen. Innerhalb von sechs Wochen ist hier viel passiert, genau wie in den Jahren davor. Gab auch einiges an Streit und verschiedenen Auffassungen über Vorgehensweise und Ausdruck des Protestes. Außerdem wird auch die repressive Seite der Auseinandersetzung noch nicht zu Ende sein. Einigen Menschen wird angeblich Hausfriedenbruch vorgeworfen.

Heute abend ist im Anna und Arthur noch einmal Treffpunkt – um 18:00 Uhr.

Wir bleiben. Und freuen uns auf die nächste „Wall of the Great Fun“. Häuser denen, die drin wohnen!

Fromme 4 - noch ein paar Tage. Ohne Bewohnerinnen.

Fromme 4 – noch ein paar Tage. Ohne Bewohnerinnen.

Fromme-Safe-Room II. Etage ist geräumt / Sponsoren der Räumung

Nach knapp sechs Stunden ist wohl der Raum in der zweiten Etage geräumt worden. Die Leute werden „herausgegangen“.

Eine von ihnen hat sich geweigert, selbst mitzugehen. Es waren vor dem Haus Schmerzensschreie zu hören. Im Moment wird sie gerade weggebracht.

Diese Unternehmen waren Arbeitskraft-Sponsoren der Räumung:

Den Leuten Gas und Wasser abstellen: Meisterbetrieb STEINICH.

Haus verriegeln und gegen Menschen dicht machten: WOLF HOLZBAU und MÖBEL und CO, Hamburg.

In die Wohnungen reingehen: LÜNEBURGER SCHLÜSSELDIENST, ALZNAUER, Auf dem Kauf 4.

Hausverriegelung unterstützen: ALCEDO CATERING.

Haushalt der Bewohnerinnen gegen ihren Willen auflösen: C.F. WENSE – Umzüge Inh. Sven Kurtenbach, Lüneburg

(Leute, wenn ihr Aufträge bekommt, die ganz und gar nicht koscher sind, einfach sagen: „Nein, mach ich nicht, habe heute schon was vor.“ Das geht. Oder seid ihr gewzungen worden?)

(Ergänzung einen Tag später: Das Alcedo gehört Jürgen Salier, auf der Website „Möbel und Co“ taucht sein Name auch auf – so hat er sogar noch durch Aufträge von der Stadt durch die Räumung verdient. )

Wiedergeburt der Rolling Mary?

Also, die Polizei trägt schweres Gerät ins Haus, wieder raus und dann doch wieder rein.

Schwere Hydraulik. Schwere riesige Schneidegeräte. Und auch Sägen.

Die Gesichtsausdrücke der Polizisten kennen wir. Von den Schienen hier um die Ecke.

Ist wieder so eine komplizierte Ankett-Aktion am Start – feiert rolling mary (s.u.) Auferstehung?

Ganz offen – so unter „Technik-Begeisterten von beiden Seiten“ – da werdet ihr noch eine Menge zu tun haben. Wisst ihr noch gar nicht.

Hier scheint es also noch ein bisschen zu dauern. Und wir bleiben. Und ihr könnt gerne noch dazu kommen.

König Mädge redet…

König Mädge (Oberbürgermeister Lüneburg) gibt gerne Dienstanweisungen und Interviews – stets von oben nach unten.

Jetzt zum Beispiel im NDR über die Frommestrasse: „Wir haben wirklich alles versucht – alles weitere wäre zu teuer gewesen!“

Aber, gelobter König, wo sind die versprochenen Zimmer für die Bewohnerinnen, die innerhalb von wenigen Wochen aus dem Haus müssen? Sollen das wirklich die Zimmer im Anna-Vogeley-Heim sein, die noch nicht schadstoffsaniert sind (Danke auch Campus e.V. das ihr mal wieder so sozial tut, obwohl ihr nur Geld scheffelt)?

Der „Beauftragte“ der hilfreichen Stadt verweist für die Bewohnerinnen auf den Kleinanzeigenteil der Zeitung und Telefonnummern örtlicher Genossenschaften.

Stellen wir mal fest:

Vor Gericht haben die Klagen der Bewohnerinnen gegen die Kündigungen Erfolg gehabt – die Kündigungen waren unwirksam.

Dann kam die Stadt und deutete das Gutachten (das stets nicht für Öffentlichkeit und unabhängige Statikerinnen zugänglich war) um, das vor einem Jahr noch zwölf Jahre Standsicherheit feststellte. Jetzt wurden die Bewohnerinnen durch die Stadt (wegen angeblicher Gefahr für Leib und Leben) aus dem Haus gezwungen.

Aus den Akten (dokumentierter Mailverkehr) der Stadt wird ersichtlich, worum es ging: Nicht um die Sicherheit jetzt – sondern:“ Bei einem weiteren Verbleib der Bewohner im Haus wird der Abriss teurer.“

Nun dann – das Ende der Geschichte: Das Gebiet wird zum Sanierungsgebiet erklärt und Salier streicht öffentliche Mittel ein, wenn er neu baut.

Das alles war sicherlich nicht „billiger“, sondern billige Masche.

PS: Übrigens genau so billig wie bei der Jugendmusikschule – auch die wird bald verkauft, das alte (auf einmal gefährliche) Gebäude saniert – und dann ein Kaufhaus und Eigentumswohnungen gemacht.

Interview mit den Leuten im Fromme-Safe-Room

Interview mit Leuten aus dem Fromme-Safe-Room (10:15 Uhr)

Wie ist die Situation im Haus?

  • Wir hören hier viele Geräusche. Zuerst dieses Gerumpel – das hat jetzt aufgehört. Nun hören wir seit kurzer Zeit eine Motorsäge. Von wo die Geräusche kommen, können wir nicht genau sagen, das ist schwierig zu lokalisieren.

Wie geht es euch?

  • Ganz gut! Wir haben jetzt zwar auch keinen Strom mehr – aber für genügend Licht ist gesorgt. Neben der Motorsäge hören wir auch die Gesänge und Sprechchöre der Leute von draußen! Das freut uns sehr und hebt die Stimmung hier drin. Wir haben gut gefrühstückt… über die zehn Leute auf dem Balkon eben haben wir uns sehr gefreut!

Wie siehts aus mit Interviews?

  • Also, wir sprechen für uns selbst. Wenn die Presse was will, kommt sie schon an unsere Nummer. Allerdings freuen wir uns sehr auch über inhaltliche Fragen. Eben die Leute vom NDR wollten nur wissen, wie viele Leute wir hier drinnen sind, ob wir angekettet sind und so weiter…

Wünscht ihr euch noch was?

  • Klar – das meiste davon steht auch in der Erklärung der Notgemeinschaft von heute morgen. Wir freuen uns weiter, viel von euch draussen mitzubekommen. Fromme bleibt!