Soli-Erklärungen

hallo ihr lieben,
komme gerade von einer Streik-Versammlung der ArbeiterInnen von Neupack.
Das ist ein Verpackungsbetrieb, der Becher für Joghurt, Frischkäse,
Quark usw. sowie Verpackungsfolie bastelt. Die ArbeiterInnen der beiden
Werke in Hamburg/Stellingen und Rotenburg/Wümme befinden sich seit dem
2.11.2012 im Streik. Wer sich genauer dafür interessiert, kann hier
nachschauen:
http://www.labournet.de/branchen/sonstige/verpackungen/index.html
Als Unterstützer habe ich die ArbeiterInnen schon mehrfach besucht und
dabei auch vom Konflikt um die Frommestraße berichtet. Im Zusammenhang
mit Mietentwicklungen in Hamburg und überhaupt.  Auf der Mietendemo in
Hamburg am vergangenen Samstag waren ca. 30 Neupack-ArbeiterInnen.
Heute abend wurde folgende Erklärung von den ca. 50 Anwesenden per
Akklamation angenommen. Nach der Akklamation kam es noch zu angeregten
Diskussionen über Mieten, leerstehende Häuser, Immobilienspekulation und
zuviel Büroräume:

/Während hier bei Neupack die ArbeiterInnen und UnterstützerInnen für
bessere Löhne und gegen die Willkür des Unternehmensclans Krüger
streiken - um sich das Leben in dieser Gesellschaft ein wenig angenehmer
gestalten zu können, wird in Lüneburg die Frommestrasse 4 von ihren
Mietern polizeilich geräumt.
Mit dem Abriss des Hauses verschwindet weiterer billiger Wohnraum in
Lüneburg und es wird Platz gemacht für ein profitable Bürobebauung durch
den Immobilienmakler Sallier. Und wenn dabei auch Wohnraum entsteht,
dann nicht für Leute, die unter 10 EUR/Std. ihre Arbeitskraft verkaufen
müssen.
Lohnsenkungen und Mieterhöhungen sind zwei Seiten derselben Medallie
nach dem Motto: Wenn du viel Miete bezahlen musst und wenig Geld
verdienst, musst du halt länger oder schneller arbeiten.
Damit dieser Irrsinn mal ein Ende hat müssen wir uns aufeinander
beziehen und wenn nötig auch gemeinsam kämpfen!
Mieterkampf und Arbeiterkampf ist ein Kampf!

/Ist doch nett -oder?
Vielleicht könnt ihr euch ja mal erkenntlich zeigen mit einer
Grussadresse eurerseits.

Das tun wir gerne:

Grüße und Solidarität an die Arbeiterinnen und Arbeiter von Neupack! 

Wir sehen jede Hausbesetzung als praktische Soli-Erklärung in dieser Sache.
Folgende Zeilen wurden verfasst anlässlich des Versuches einer Besetzung in Hamburg gestern am Samstag 10.11.2012. Das ist auch eine Soli-Erklärung an alle, denen es mal reicht – also auch an uns. Eine Soli-Erklärung für alle, die nicht mehr auf Hilfe von Institutionen hoffen, von denen noch nie Hilfe zu erwarten war.  Und eine Erklärung, die nicht nur aus Worten bestand, sondern praktisch wurde. Wir dokumentieren ihn deshalb auszugsweise an dieser Stelle. (Der ganze Text hier.) Clip zur Stimmung hier.

„Wir
haben heute beschlossen, die Eigentumsfrage auf unsere Weise zu beantworten.
(…)

Heute vor 25 Jahren standen die Barrikaden auf der Hafenstraße und den die Häuser umgebenen Straßen von St. Pauli.
Sie waren Ausdruck der Entschlossenheit im Kampf um die besetzten Häuser.
Sie wurden gebaut von so Vielen, die wussten „Es Reicht“ .
Ein Teil von uns war an diesen kämpfen beteiligt und bildeten mit Vielen aus den Vierteln, aus anderen Städten und Ländern, einen Gegenpol, der den Erhalt erzwingen konnte.
Die Ambivalenz/Doppelwertigkeit des Vertragsabschlusses, als Erfolg der organisierten Stärke, war zugleich Schwäche und ein langfristig angelegtes Konzept der Entpolitisierung und hat damals wie heute viel Widerspruch erzeugt.

Die wenigsten Träume aus dieser Zeit haben sich wohl erfüllt.

Wir schätzen die Nischen der Subkultur, eine kraftvolle Einmischung in „Das Ganze“ was läuft, ist von dort derzeit nicht zu erwarten, es ist wie in anderen Projekten ähnlich, weit entfernt von den gegebenen Möglichkeiten.

Wir
haben heute nicht die selbe Stärke, es gibt jedoch immer noch Viele, die wissen „Es Reicht“ . Mit diesen Menschen fühlen wir uns verbunden und werden auch in Zukunft versuchen, uns mit Ihnen zu verbünden, zu organisieren.

Wir
sagen frech: Der Reichtum und die Besitzverhältnisse sind angreifbar und es ist nicht selten ein Akt der Selbstverteidigung und Befreiung.

„Es Reicht“, ist Motivation an dieser Stelle,
ein kleines Zeichen zu setzen,
die Veränderung nicht einfach hinzunehmen.
Sowie heute Viele gegen den ausufernden Mietenwahnsinn auf die Straße gegangen sind.
S.O.S. Ist für uns in diesem Sinne aber nicht der richtige Ansatz, weil er eine Hilfe von außen erwartet und erhofft.
Wir
können uns nur selber helfen.

(….)

Wir
grüßen
die Gefangenen
die Flüchtigen, die an den Grenzen der Staaten scheitern, und die, die durchkommen,
die Unterschichten,
die Kinder und Jugendlichen denen es so schwer gemacht wird,
alle die sich gegen alten und neuen Faschismus zur Wehr setzen,
alle die sich Mühe geben menschlich zu agieren,
alle die noch hoffen, nicht aufgeben
die Hoffnungslosen,
alle die dem Krieg ausgesetzt werden,
alle die Unterdrückung spüren,
alle Hungernden,
alle WiderständlerInnen

was noch kommt, ist kein auferlegtes Schicksal und veränderbar…

empört euch, wehrt euch.“

Alte Soli-Erklärungen zur Frommestrasse 2:

Solidarität mit den Besetzer_innen der Frommestrasse 2 in Lüneburg!

Am Dienstag, den 28.6.2011 wurde das besetzte Kulturzentrum in der Frommestrasse 2 in Lüneburg von der Polizei geräumt und das Gebäude abgerissen. Ein unkommerzieller Treffpunkt für Menschen unterschiedlichen Alters, Bildungsstands oder sozialer Lage wurde so schlicht dem Erdboden gleichgemacht. Das ist ein Skandal!

Aus eigener Erfahrung wissen wir, wie mühevoll der Aufbau und Betrieb eines solchen Treff- und Anlaufpunktes ist, aber auch
wie wichtig solche selbstverwalteten Projekte sind. Hier werden nicht nur Kontrapunkte zu Vereinzelung, Konkurrenzdenken und Profitfixierung geschaffen, sondern gemeinsam an konkreten Wegen gearbeitet, Alternativen aufzubauen.

Wir wünschen den Aktivist_innen in Lüneburg das nötige Durchhaltevermögen und natürlich auch den Spass an den weiteren Auseinandersetzungen und hoffen, dass es ihnen bald gelingt, sich in Lüneburg einen weiteren selbstverwalteten Raum anzueignen!

Soziales Zentrum Norderstedt, 30.6.2011

http://sz.nadir.org/2011/07/02/solidaritat-mit-den-besetzer_innen-der-frommestrasse-2-in-luneburg/
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Pressemitteilung des Stadtjugendrings Lüneburg vom 25.06.2011
Stadtjugendring Lüneburg: Frommestraßen-Protest ist Jugend-Beteiligung pur

Der Stadtjugendring Lüneburg unterstützt die seit nunmehr drei Jahren andauernden Proteste gegen die –zunächst geplante– Wohnneubebauung in der Frommestraße. Vor allem junge Menschen engagieren sich gegen den Abriss des zeitweise als Kultur- und Partyraum genutzten Hauses.

Der Stadtjugendring sieht in der Besetzung des Geländes rund um dieses Haus ein besonderes Engagement für das direkte Wohnumfeld. Junge Menschen wehren sich gegen Kommerzialisierung und die bedingungslose Opferung ihres Lebensraumes für die Interessen von Großunternehmern. Wie in anderen Städten auch, gehen junge Menschen gerade in Stadtteilen mit einer ausgeprägten und gewachsenen Stadtteilkultur auf die Straßen, um gegen Gentrifizierung und Raubbau zu protestieren.

Die Stadt Lüneburg hat sich auf die Fahnen geschrieben mehr für Partizipation von Kindern und Jugendlichen zu tun. Sie hat eigens eine Arbeitsgruppe dazu ins Leben gerufen, in der darum gerungen wird, jungen Menschen Mitbestimmungsrechte zu verleihen. Hier in der Frommestraße wird Partizipation und Verantwortung für das Gemeinwesen praktisch gelebt. Ganz ohne Auftrag und Mandat. Was kann sich ein Gemeinwesen denn mehr wünschen, als aktive, wache und engagierte junge Menschen, die sich um ihr Umfeld kümmern.

“Hier findet kein Protest zur Verhinderung von irgendetwas statt, hier findet der lebhafte Protest FÜR den Erhalt von Stadtteil- und Jugendkultur statt.” sagt Björn Adam, Vorsitzender des Stadtjugendrings. Und der zweite Vorsitzende, Georg Gunkel-Schwaderer fügt hinzu: “Dass dies stellenweise an den so fest gefügt scheinenden Regularien dieser Gesellschaft rüttelt, darf dabei nicht verwundern und schon gar nicht stören. Hätte es diese Proteste seit 2008 nicht gegeben, würde vermutlich an jener Stelle nun ein Pracht-Glasbau im Baugrund versinken und niemand wäre Bereit die Verantwortung dafür zu tragen.”

Der Stadtjugendring spricht sich dafür aus, dass die Stadt Lüneburg, allen voran der Oberbürgermeister, sich der Problematik annimmt und sich für eine produktive Verständigung zwischen derzeitigem Eigentümer und den jungen Menschen einsetzt.

http://www.stadtjugendring-lueneburg.de/?p=308

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Anna & Arthur sind solidarisch mit der Frommestr. 2 und sagen: Lass das Haus stehen, Herr Sallier!

http://annaundarthur.wordpress.com/

Eine Antwort zu “Soli-Erklärungen

  1. You´ll never walk alone
    Solidarität mit den Besetzer_innen der Fromme

    Am 28. Juni 2011 wurde die seit Monaten besetzte Frommestraße 2 in
    Lüneburg geräumt und das Gebäude abgerissen. Für die Räumung schickte
    die Einsatzleitung der Lüneburger Polizei auch eine sog. „Beweis- und
    Festnahmeeinheit“ (BFE) aus Hannover, die zum Teil brutal gegen die
    Besetzer_innen vorging.

    Während der Räumung nahm die Polizei von mehreren Menschen die
    Personalien auf, nahm Menschen in Gewahrsam und sprach Platzverweise
    aus. Außerdem wurden gegen einige Besetzer_innen und Unterstützer_innen
    Ermittlungsverfahren wegen „Hausfriedensbruch“, „Widerstand gegen
    Vollstreckungsbeamte“ oder „Beleidigung“ eingeleitet.

    Wenn jetzt einzelne Menschen stellvertretend für die Bewegung rund um
    die Frommestraße verfolgt und abgeurteilt werden sollen, dann geht uns
    das alle an! Gemeinsam müssen wir jetzt Solidarität organisieren!

    Aufruf an alle die nach Räumung der Frommestraße 2 mit Repression
    konfrontiert sind

    Wenn ihr jetzt Vorladungen von der Polizei oder Post von der
    Staatsanwaltschaft bekommen solltet, dann könnt ihr euch vertrauensvoll
    an die Lüneburger Antirepressionsgruppe wenden. Wir unterstützen alle
    von Repression betroffenen Besetzer_innen und Unterstützer_innen der
    Frommestraße, stehen euch mit Beratung, anwaltlicher Betreuung und
    finanzieller Unterstützung zur Seite.

    Wenn ihr am 28. Juni 2011 einen Platzverweis erhalten habt, in Gewahrsam
    genommen worden seid, eure Personalien kontrolliert worden sind oder ihr
    jetzt Post von der Polizei bekommen solltet, dann solltet ihr euch
    sofort bei uns melden.
    Außerdem ist es hilfreich, wenn ihr ein Gedächtnisprotokoll von der
    Situation schreibt.
    Wenn ihr eine Vorladung zur Polizei bekommt, dann solltet ihr auf gar
    keinen Fall dorthin gehen. Ihr seid dazu weder verpflichtet noch
    entstehen euch durch ein Fernbleiben irgendwelche Nachteile. Außerdem
    helfen Aussagen nur der Polizei bei ihren Ermittlungsverfahren. Keine
    Aussagen bei Polizei und Justiz!

    Kommt gern mit allen Fragen auf uns zu.

    Ihr erreicht uns unter:

    solidaritaet-lg@gmx.de
    (Unseren PGP-Key erhaltet ihr auf Anfrage)

    – häufig im Infocafe Anna & Arthur (Katzenstr. 2, Lüneburg), garantiert
    jeden 3.Mittwoch im Monat während der Vokü

    – telefonisch unter: 0172-4152311

    ————-
    Solidarität ist ein Dauerauftrag – Solikonto:
    Kontoinhaber_in: Solidarität
    Volksbank Lüneburg
    Konto-Nr.: 125381600
    BLZ: 24090041
    Stichwort: „Fromme“
    ————-

    Lüneburg, 2. Juli 2011
    Antirepressionsgruppe Lüneburg

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